Der Urlaub in China war schön und erlebnisreich, aber ich bin dennoch glücklich wieder zuhause zu sein. Heute morgen fuhr ich so über die recht leere Landstraße und wurde regelrecht von dem Gefühl der Zugehörigkeit zu diesem Landstrich überwältigt. Hier bin ich daheim, hier fühle ich mich sicher und geborgen, hier ist mein spirituelles Zuhause.
In China war alles so laut,schrill, hektisch und vor allem.. überfüllt! Nein, ich könnte mir nicht vorstellen in einem von dutzenden nebeneinanderstehenden Hochhäusern zu leben, zusammen mit mehreren hundert anderer Mitbewohner. Meist ohne eigenes WC und öfter auch mal ohne Küche. Diese Menschen-Massenhaltungs-Siedlungen lassen mir eine gruselige Gänsehaut über den Rücken laufen. Städte mit 8 Millionen Einwohnern werden dort als Kleinstädte (!!!) bezeichnet.
Aber natürlich gab es für mich als Tourist trotzdem jede Menge Fotomotive. Disneyland in Lebensgröße. Man muß nur beachten die Augen nicht allzu lange auf einem Ort verweilen zu lassen. Ansonsten fällt einem der krasse Widerspruch zwischen High-Tec und Armut sehr ins Auge. Ärmlichste Verhältnisse gleich neben verschwenderisch greller Neonwerbung. Eingefallene ältere Bettler zwischen chick gekleideten Designerjugendlichen.
Mit am meisten haben mich die aggressiv-freundlichen fliegenden Händler genervt die an jeder Ecke und jedem Ende im Dutzend irgendwelche billige Ramschartikel zu völlig überteuerten Preisen loswerden wollten. Da nützt es auch nichts, dass man mit hartnäckigem Verhandeln durch Gesten und Bruchstücke der englischen Sprache den Preis meist um 80 bis 90 Prozent runterhandeln kann. Das ständige Angesprochenwerden ging mir schon nach kurzer Zeit auf den Zeiger.
Zumindest an den Touristenattraktionen fehlt religiöse Kultur und Spiritualität. An einem besichtigten Tempel knieten und beteten zwar zwischen Strömen von gaffenden Besuchern ein paar Einheimische, aber konzentrierte Einkehr sieht für mich anders aus. Es schiehn nur noch ein automatisches Ritual zu sein. Ich war manchmal nicht sicher, ob hier nur Showtime für die Touristen gemacht wird. Selbst unser chinesischer Reiseleiter, ansonsten ein sehr sympathischer Zeitgenosse, tat jegliche alte Erzählung oder religiöse Überlieferung als “Aberglauben” ab. Ich habe das Land in den zwei Wochen als hektisch und oberflächlich erlebt. In einem abgelegenen Kloster mag es (hoffentlich) anders aussehen.
Um nicht ganz den Eindruck zu erwecken, der Urlaub hätte sich gar nicht gelohnt: Selbstverständlich gibt es jede Menge zum Staunen. Der Yangtze war ein Erlebnis für Auge und Seele, obwohl ich mir jederzeit bewußt war welche Vergewaltigung der Natur mit dem Staudamm einherging. Shanghai und Beijing durchaus sehenswert – sofern man schrille Mega-Großstädte mag – und die Teracottaarmee einfach überwältigend.
Ich werde mich jetzt an die mühselige Aufgabe machen, über 2000 Bilder der Digicam nach Topbildern zu sichten und daraus ein ansprechendes Fotobuch zu gestalten. Wenn ich Lust und Zeit habe, dann stelle ich auf Picasa mal eine handvoll Bilder zur Verfügung.